1988 habe ich die Lichterprozession auf Schloss Zeil fotografiert, 2000 die Passionsspiele in Engerazhofen. Von 2003 bis 2008 habe ich die Sebastiansprozession von Schloss Zeil zur Kapelle in Sebastianssaul begleitet.
Mein Thema ist der christliche Glaube, der bei Prozessionen aus der Kirche tritt.

Diese feierlichen Bilder und die besondere Stimmung faszinieren mich. Ich arbeite mit Schwarzweißfilm und vergrößere die Bilder in meinem eigenen Labor. So bekommen die Fotos einen stärkeren Ausdruck. Ohne die Ablenkung durch Farbe kann ich mich besser auf das Thema konzentrieren. Mittlerweile habe ich die optimale Film- und Entwicklerkombination gefunden und halte daran fest. Keine Experimente mehr, dafür erhalte ich konstante Ergebnisse. Dafür habe ich viele Stunden mit Test investiert.

Auf Sardinien hatte ich die Gelegenheit, eine Pfingstprozession zu begleiten. Auch dort habe ich mich mit diesem Thema zu Hause gefühlt.


Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes, feiern Christen fünfzig Tage nach Ostern als Geburtsstunde der Kirche. Es schließt die österliche Zeit ab. Während die Liturgie die Sendung des Heiligen Geistes feiert, lebt das Fest in vielen Regionen als Feier der erwachten Natur und ersten Sommerwärme weiter – mit Prozessionen, Flurumgängen und Bittgebeten um eine gute Ernte.

Magomadas – Die Statue auf dem Ochsenkarren

In Magomadas, einer kleinen sardischen Gemeinde mit etwas über 600 Einwohnern in der Provinz Oristano, zieht man die Statue des Schutzpatrons »San Giovanni Battista« (Johannes der Täufer) auf einem Ochsenkarren durch den Ort. Blumenverzierte Traktoren führen den Zug an. Zwei Ochsen ziehen San Giovanni über Basalt. Vorne krachen Böller, hinten murmeln Gebete. Ich bin zum ersten Mal auf Sardinien – und doch zu Hause: Glaube auf der Straße. 

Der Ochsenkarren wird in Position gebracht und letzte Korrekturen an der Tracht vorgenommen.

Starker Kontrast


Moderne Traktoren und ein historischer Ochsenkarren – ein echter Kontrast! Vorne geht eine Gruppe in landestypischer, schwarzer Tracht, die Fahnenträger und der Ochsenkarren begleiten. Es sind junge Leute in Tracht, die diese Tradition so schön lebendig halten und weiterführen.

Der Zug bewegt sich um den Ort. Mit Blick auf Olivenhaine und Gärten. In der Ferne siehst man das Meer unter strahlend blauem Himmel.

Der Pfarrer, seine Ministranten und die Gemeindemitglieder folgen dem Karren und beten dabei den Rosenkranz. An vier Stationen, traditionell an den Feldgrenzen, bitten sie um Flursegen. Der Rückweg führt durch enge Straßen zurück zur Dorfkirche.

Dabei hallt das Knattern der Traktoren von den Hauswänden wider. Auf Sardinien ist diese Prozession etwas Besonderes: Ein »Feuerwerker« geht voraus und zündet an bestimmten Stellen des Weges Böller. Der Geruch der Böller verleiht der Prozession eine „ganz besondere Note“.

Als der Zug wieder vor der Kirche zum Stehen kommt und die Traktoren verstummen, erfüllt das Schnauben der Ochsen, das sanfte Rollen der Holzkarrenräder und das Knarzen der Ledergurte, mit denen die Ochsen an das Zuggeschirr gebunden waren, die Luft.

Zwischen Acker und Altar

Der Feldumgang zwischen Acker und Altar ist ein schöner Brauch, der die tiefe Verbundenheit dieser Region mit Land und Jahreszeiten widerspiegelt. Auf Sardisch nennt man ihn »Girata campestre« oder »giro deicampi« – eine alte Agrartradition im Kirchenjahr. Das Fest »s’Stella« findet in der dritten Maiwoche statt. So fiel Pfingsten 2026 beispielsweise auf den 24. Mai.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Geruch von Schießpulver, das dumpfe Rollen der Räder vor der Dorfkirche und das glitzernde Meer unter dem strahlend blauen Himmel.